Nordrhein-Westfälischer Iaido Verband e.V.

Landesfachverband für die japanische Schwertkunst Iaido

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Was ist Iaido?

Iaido ist die japanische "Kunst des Schwertziehens" und gehört zum großen Bereich der Budo- Disziplinen. Es ist aus der Kampfkunst der alten Kriegerkaste Japans, der Samurai, entstanden. Iaido offenbart sich im Training, daher empfehlen wir Euch, die Kontaktaufnahme mit einem unserer Mitgliedsvereine und die Teilnahme an einer Probestunde. Um Euch die Zeit bis zur nächsten Trainingseinheit ein bisschen zu verkürzen, findet Ihr hier noch ein paar Rahmeninformationen zum Iaido.


Geschichte

Am Anfang war das Schwert. Schon in der mythischen Entstehungsgeschichte Japans spielt das Schwert eine wichtige Rolle. Von Amaterasu, der Sonnengöttin erhielt der erste Herrscher Japans (Jimmu, Enkel des Ninigi, Enkel von Amaterasu) die Insignien der kaiserliche Macht; Spiegel, Juwel und "Regenwolkenschwert". Die japanische Geschichte ist die des Krieges und der religiösen Einflüsse, sie wurde geprägt durch den Gebrauch von Bogen und Schwert und durch den Stand der Samurai (samurau, dienen). Während der Heian Periode (794 - 1185) war Japan aufgeteilt unter rivalisierenden Familien-Clans. Im 9. Jhr. verlor der Tenno (Kaiser) den Machtanspruch an einflussreiche Familien der Kuge (Hochadel, insb. das Haus Fujiwara). Um Ihre Landansprüche zu verteidigen ließen die einzelnen Fürsten in den Präfekturen (Buke, Militäradel) wehrfähige Männer ausbilden und erst mit dem Bogen, später auch mit Schwertern bewaffnen. Im Laufe der Zeit wurde die Aufgaben der Ausbilder erblich und die Schutztruppen etablierten sich unter dem Begriff Kondei („tapfere Söhne“, später Samurai genannt) und gewannen an Bedeutung. In der Kamakura Periode (1185 - 1333) begannen die Nordfeldzüge gegen die Ureinwohner, die Ainu. Im Einfluss der einheimischen Shinto-Religion formten sich die Kondei zum Kriegerstand und sorgten schließlich im 12. Jhr. für die Bildung des ersten Shogunats (Regentschaft der Shogune bis 1867, dann Meiji Restauration). In der Muromachi Periode (1392 - 1568) entwickelten sich die ersten Schwertkampfschulen, die Dojo (Ort des Weges). Die Eroberungsfeldzüge näherten sich ihrem Höhepunkt, der Einigung des Reiches. 1600 besiegt Ieyasu Tokugawa (1542 - 1616) in der Schlacht bei Sekigahara die Anhänger des Toyotomi-Clan und ernannte sich zum Shogun (1603 - 1613). Mit der Errichtung des Edo-Bakufu (Regierungssitz im heutigen Tokyo) bekamen die Samurai neue Aufgaben und erlebten Ihren Aufschwung im Zeichen des Bushido.

Die vier Stände; Samurai, Bauern, Handwerker und Kaufleute (seit 1591), sicherten den Samurai viele Privilegien, nun standen sie an der Spitze der sozialen Hierarchie. Von ihnen wurde vorbildliches Verhalten erwartet und, beeinflusst durch den aus China kommenden Zen-Buddhismus, die Prinzipien des Bushido (Weg des Kriegers) zu befolgen. Die wichtigsten Prinzipien waren uneingeschränkte Loyalität zum jeweiligen Daimyo (Fürsten) oder Sensei ("vorangehender"/Lehrer), strenge Selbstdisziplin und selbstloses, mutiges Verhalten. Durch die Einigung des Reiches wurden jedoch die Armeen der einzelnen Daimyo aufgelöst, zudem hatten viele Samurai in den Kriegen Ihren Herren verloren und zogen, von keinem anderen Clan aufgenommen, völlig mittellos durch das Land. Als Ronin ("wie die Wellen Wandernde") wurde sie zu einem sozialen Problem. Auf ihren Kriegerstand beharrend und durch den Konfuzianismus des Tokugawa Shogunats gestützt kodifizierte sich jetzt der Samurai-Ethos und der Schwertkampf selbst. Es entstanden die strengen Formen und Zeremonien, unzählige Dojo, Sensei und Ryu (Schulen, Style) und damit die Blütezeit des Kendo (Weg des Schwerts). Hayashizaki Jinsuke Shigenobu (1549 - 1621), einer der bekanntesten Samurai dieser Zeit, soll der Legende nach die wahre Natur des Schwertkampfes erkannt haben. Auf ihn geht das heutige Iaido zurück und war Soke (Begründer) der "Hayashizaki Muso Ryu". • Miyamoto Musashi (1584 - 1645) gilt trotz seiner kriegerischen und blutigen Karriere heute als "Kensei – Weiser und Heiliger des Schwertes" und wird in Japan hoch verehrt. Er ist Autor des Gorinno-sho (Buch der fünf Ringe) und Soke der "Niten- Ichiryu" (Schule der zwei Himmel).

Nach Jahrhunderten der Isolation (Sakoku 1639 - 1868) und der Niederlage Japans im zweiten Weltkrieg begann für die Schwertkampfübungen und das Budo im allgemeinen eine neue Epoche. Erst von den Besatzungsmächten verboten, vollzog sich in den 60-Jahren eine Öffnung der Kampfkünste. Viele Disziplinen gaben sich die Endung -do anstelle des bislang vorherrschenden -jutsu (Iaijutsu – technische Fähigkeit der Präsenz [im Schwertziehen]). Damit wurden die geistigen Aspekte der Übung nun höher bewertet als die reine Technik. Einen wichtigen Beitrag zur internationalen Verbreitung einzelner Disziplinen erbrachte neu entstandenen Verbände. Die ZNKR (Zen Nihon Kendo Renmei/Alljapanischer Kendo Verband) ist zuständig für die Belange des Kendo, (Schwertweg des Zwei-/Wettkampfs) Iaido, (Schwertweg; Präsenz im Schwertziehen) Jodo (Stockweg, Kampf gegen Schwertangriff) und Naginatado (Hellebardenweg) und hat für diese Disziplinen jeweils gültige Standards verfasst. Dies erlaubte erstmals, diese Künste nicht mehr nur vom Lehrer an den Schüler, sondern auch an große Gruppen weiter zu geben (z.B. an Universitäten, auf Lehrgängen, usw.). Ein Prüfungs-, Meisterschafts- und Ausbildungssystem (Shogo) führte diesen Prozess fort.

 



Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 24. Februar 2011 um 13:09 Uhr